Sport - Seniorensport

Seniorensport beginnt im Kindergarten

"Mehr Bewegung für mehr Ältere" lautete das Thema eines Symposiums zum Seniorensport am 4. November 2006 in der Universität Potsdam. Rund 200 Akteure aus dem Sport und aus Seniorenorganisationen waren der gemeinsamen Einladung der Landessportbünde Brandenburg und Berlin gefolgt.
Namhafte Gastredner aus Politik, Wissenschaft, Medizin und Medien zeigten in ihren Statements auf, dass Bewegung, Gesundheit und Wohlfühlen im Alter in engem Zusammenhang stehen und sowohl vom Einzelnen als auch von der Gesellschaft durchaus beeinflusst werden können. "Nicht wie alt, sondern wie wir alt werden, ist wichtig. Und das liegt zumindest zum Teil in unserer Hand.", stellte Frau Prof. Dr. Dr. h.c. Ursula Lehr, Bundesministerin a.D. und Professorin der Psychologie und Gerontologie, fest. Sie wies auf den Teufelskreis von Bewegungsarmut und Bewegungsunlust hin, der sich nur über die Motivation "Sport macht Spaß" statt "Sport muss sein, weil er gesund hält" durchbrechen lässt, um gleich darauf ganz praktische Denkanstöße zu geben: Haben wir sichere Radwege für Senioren, sind die Umkleiden in den Sportstätten oder die Öffnungszeiten der Schwimmhalle auf Ältere eingerichtet?
Auf falsche Vorstellungen der Gesellschaft vom Altern ging Winfried Alber, Staatssekretär im brandenburgischen Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie, ein. Altern bedeute nicht Verlust, sondern Wandel von Fähigkeiten: Zwar sei ein 20jähriger schneller beim 100-m-Lauf, ein 70jähriger dagegen sei wohl eher zu einem hohen Staatsamt befähigt. In die gleiche Kerbe schlug der Bonner Sportwissenschaftler Prof. Dr. Heinz Mechling: Das rapide zunehmende Alter der Bevölkerung sei keine Katastrophe, sondern jahrtausendelanger Traum der Menschheit. Katastrophal sei allenfalls, wie man damit umgehe. Altersdiskriminierung vielfacher Art entdeckte die Journalistin Hanna Schweitzer, angefangen von Talkshows über den Arbeitsmarkt bis hin zu den Politikern.
Einig waren sich Redner und Publikum, dass regelmäßige körperliche Betätigung die beste Prävention gegen physische und psychische Probleme des Alterns ist. Noch vor dem Gesundheitsaspekt steht für Ältere beim (Vereins)Sport aber das Gemeinschaftserlebnis, der soziale Kontakt. Auch deshalb sollten Kooperationen zwischen Sport und Seniorenorganisationen noch weiter ausgebaut werden, um möglichst vielen Älteren den Weg zur Bewegung zu erleichtern. Bei der Infrastruktur müssen die Interessen Älterer viel stärker Beachtung finden, wie der Berliner Staatssekretär für Bildung, Jugend und Sport ausführte. Vor allem aber, und darüber herrschte bei Sport und Seniorenorganisationen Einigkeit, muss Sport in allen Altersstufen gefördert werden. So gesehen beginnt Seniorensport schon im Kindergarten. Denn nur wer von Klein auf Sport treibt, wird ihn auch im Alter nicht missen wollen.